„Neue Stufe des Judenhasses“


Der neue Hamburger Antisemitismus-Beauftragte Stefan Hensel über Angriffe von Musimen und Linken auf Juden anlässlich des jüngsten Kriegs der Hamas gegen Israel und israelbezogene Judenfeindlickeit selbst bei Fridays For Future

Ludwig Greven: Während der Angriffe der Hamas auf Israel gab es hierzulande antijüdische Ausschreitungen und Hass gegen Juden im Netz. Wieso werden, wenn es im Nahen Osten knallt, reflexhaft Juden in Deutschland attackiert? Was haben die mit dem Dauerkonflikt dort zu tun?

Stefan Hensel: Gar nichts, weil die meisten Juden, die hier leben, Deutsche sind. Warum die Stimmung so ist, dafür gibt es viele Erklärungen. Das eine ist das David-Goliath-Phänomen. Israel wird als der Stärkere gesehen, der sich verteidigen kann. Gemessen wird das an den Opferzahlen, obwohl das überhaupt nichts besagt. Das andere sind Vorurteile und Stereotype. Eine massive Wiederbelebung antisemitischer Weltbilder erleben wir bereits seit Beginn der Corona-Krise. Simple Erklärungsmuster für komplexe Fragen. Der Antisemitismus modernisiert sich und passt sich an, je nach dem, was der Zeitgeist verlangt. Das Grundmuster bleibt jedoch immer gleich. Das hat auch jetzt dazu geführt, die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien gezielt zu lenken.

Von wem?

Hensel: Aus allen möglichen Richtungen. Das hängt immer vom Milieu ab. Während die Einen sich bemühen zu trennen zwischen Kritik an Israel und Hass auf Juden, unterscheiden Andere häufig nicht zwischen Judentum, Israel, Zionismus oder Verschwörungsfantasien. Das verschmilzt. Das ist das Einfallstor für Leute, die das gezielt nutzen.

LG: Hass und Gewalt gingen diesmal sehr stark von jungen muslimischen Migranten aus, mit Unterstützung von Linken und BDSlern, die zum Boykott gegen Israel aufrufen. Woran liegt das?

Hensel: Das war beim letzten Gaza-Konflikt 2014 schon ähnlich. Was wir allerdings jetzt erlebt haben, ging fast ausschließlich von jungen arabischen Männer aus. Wir haben es hier mit einem Antisemitismus zu tun, den es sehr stark auch im Nahen Osten gibt. Menschen, die von dort kommen oder Fernsehsender aus diesen Ländern verfolgen, legen ihn nicht deshalb ab, weil sie jetzt hier leben.

LG: Von dieser Seite kommt oft das Argument: Was haben wir mit Eurer deutschen Geschichte und Verantwortung zu tun?

Hensel: Der Holocaust war ein Menschheitsverbrechen, das von Deutschen begangen wurde, aber alle Menschen betrifft. Deshalb finde ich dieses Argument absurd. Meine Erfahrung sagt jedoch, dass die Mehrheit der Migranten, auch der muslimischen, das nicht so sieht. Ich habe häufig mit Jugendlichen zu tun, die das differenziert betrachten und es häufig beindruckend finden, was Israel geschaffen hat und sich das für ihre eigenen Länder und die Herkunftsländer ihrer Eltern wünschen. Oder die, wenn sich im Rahmen eines Schüleraustauschs nach Israel gefahren sind, ein ganz anderes Bild haben. Auch weil sie dort ein anderes Bild von sich bekommen. Sie merken, ich werde dort in der israelischen Einwanderungsgesellschaft als Deutscher wahrgenommen, obwohl ich aus Afghanistan oder dem Irak stamme. Das stellt Fragen an ihre Identität und ermöglicht ihnen einen anderen Blick auf ihre Situation. Deshalb glaube ich, dass man nicht pauschal sagen kann, migrantische Jugendliche sind antisemitischer als andere. Das Problem betrifft Jugendliche mit einer bestimmten kulturellen Prägung, hinzu kommt eine grundsätzliche Verpestung der ganzen „Israel-Debatte“.

LG: Nach dem Attentat auf die Synagoge in Halle gab es sofort Demonstrationen und Aufrufe von Politikern gegen Antisemitismus. Weshalb jetzt erst sehr spät?

Hensel: Es ist Politikern wohl nicht recht klar, wann Solidarität mit Juden und wann mit Israel angebracht ist. Es hat jedoch relativ klare Statements führender Politiker gegeben. Zuerst zu den Juden hier in Deutschland, dann zu der Frage, steht Deutschland an der Seite Israels.

LG: Aber wenig Konkretes zu dem Jundenhass von muslimischen Migranten.

Hensel: Die Diskussion über muslimischen Antisemitismus ist in der Gesellschaft insgesamt schwierig zu führen, weil man immer Angst hat, dass man Muslime stigmatisiert. Grundsätzlich finde ich das löblich. Aber es verstellt den Blick auf die Wirklichkeit, vor allem auf die Migranten, die aus Ländern kommen, die nicht antisemitisch geprägt sind und die gleichen Probleme mit Leuten haben, die islamistisch und judenfeindlich sind. Sie oder ihre Eltern sind ja oft vor diesem Terror geflohen.

LG: Weshalb tun sich vor allem Linke so schwer mit Antisemitismus von Muslimen?

Hensel: Sie wollen keine antimuslimischen Ressentiments bedienen und Rechtspopulisten nicht in die Hände spielen. Sie tun aber das Gegenteil, weil die muslimische Gemeinschaft sehr viel differenzierter ist als sie meinen.

LG: Verbreitet ist bei Linken auch pauschale Israelkritik.

Hensel: Es gibt eine starke auch mediale Fokussierung auf den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Dabei ist die Lage in Nachbarländern wie Syrien oder Jemen viel schlimmer.

„Schockierend“

LG: Wie finden Sie es, wenn auch auf Kanälen von Fridays for Future Karten verbreitet werden von Palästina ohne Israel, ohne Juden?

Hensel: Ich finde das schockierend. Das ist eine neue Stufe des Judenhasses und von Desinformation. Die Sozialen Medien leisten da Vorschub. Ich habe mir hunderte Profile von jungen Leuten angeschaut., die sich zu dem Thema geäußert haben und sonst voll sind mit Modethemen oder ähnlichem. Wir hatten „Black lives matter“, jetzt „Stay with Gaza“. Natürlich ist es richtig, sich gegen Rassismus und für Palästinenser einzusetzen. Aber das sind Modewellen, das geht nicht in die Tiefe. In zwei Wochen haben wir da ein neues Thema.

LG: Was haben Sie sich als Hamburger Antisemitismus-Beauftragter vorgenommen?

Hensel: Ich kann Antisemitismus nicht allein bekämpfen. Ich möchte das Thema mit denen, die sich damit befassen, voranbringen, und zwar so, dass es für junge Leute zugänglich ist. Sehr niederschwellig. Mir geht es darum, jüdisches Leben sichtbarer zu machen. Und dass wir junge Leute mit einem vom Hamburger Senat geförderten Programm nach Israel bringen, und Lehrer und Lehrerinnen dazu zu befähigen, bei diesem Thema, das im sozialen Umfeld ihrer Schüler eine wichtige Rolle spielt, eine Position zu ergreifen. Dass Antisemitismus Judenhass ist und dieser hierzulande nichts zu suchen hat. Wer seine Schule mit „antirassistisch“ labelt, aber zulässt, dass dort antijüdische Klischees verbreitet werden, macht sich unglaubwürdig.

Stefan Hensel, geboren 1979, hat ein gemeinnütziges Unternehmen, das Kindergärten betreibt, und leitet die Hamburger Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Auf Vorschlag der Jüdischen Gemeinde Hamburg wurde er zum 1. Juli vom Senat in das neue Amt des Hamburger Antisemitimusbeauftragten berufen.

In der Ausgabe 06/21 von „Politik & Kultur„, der Zeitung des Deutschen Kulturrats

Anti-Antisemitismus? Eierkuchen


Oder wie ich vergeblich versuchte, eine Solidaritätsaktion für Israel und gegen Judenhass zu organisieren

Seit die muslimischen Gaza-Terrorherrscher der Hamas und des Islamischen Dschihad Israel und seine Bürger unablässig mit Raketen terrorisieren und bombardieren, völlig unschuldige Menschen töten und dafür auch noch Applaus bekommen, lassen mich die Bilder und Nachrichten kaum noch schlafen. Erst recht nicht die von jungen zugewanderten Muslimen, die hier in Deutschland alle Freiheiten auch ihres Glaubens genießen, die aber im Verbund mit angeblichen Antirassisten, „linken“ Palästinenser/Araber-Freunden und BDSler in schlimmster Nazi-Tradition Synagogen angreifen, Jüdinnen und Juden mit ihren Mord- und Vernichtungsphantasien bedrohen und Fahnen Israels mit dem Davidstern, dem Symbol des Judentums verbrennen – 76 Jahre nach dem Holocaust, dem „großen Brennen“ von 6 Millionen Juden Europas. Im Land der Täter und des angeblichen „Nie wieder“.

Deshalb habe ich Ende vergangener Woche beschlossen, meine Rolle als freier, kritischer, unabhängiger Journalist und politischer Beobachter zu verlassen und in Hamburg spontan eine Solidaritätsaktion für Israel und die angegriffenen und wieder einmal in ihrer Existenz bedrohten Juden dort wie hier zu organisieren. Ich habe Freunde und Bekannte, SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher, die Grünen-Vizebürgermeisterin Katharina Fegebank, Vertreter aller demokratischen Parteien, von Gewerkschaften, Kirchen und Kultureinrichtungen angerufen und angemailt. Ich habe nichts unversucht gelassen. Reaktionen: fast keine. Als ich nachhakte, bekam ich, wenn ich jemand erreichte, meist hinhaltende Antworten wie: „Eine Senatorin/ein Senator darf zu so etwas nicht aufrufen, sie ist zur politischen Neutralität verpflichtet“ (gilt das auch für Aufrufe zu Klimademos?), oder „Hmm, das mit Israel ist schwierig. Sie wissen ja, da gibt es sehr verschiedene Ansichten, und das muss erst noch durch diverse Gremien.“ Oder: „Wir melden uns“ – was nicht geschah.

Nur einer sagte sofort zu

Spontan zugesagt, meine Idee zu unterstützen, hat nur Ali Ertan Toprak, Vorsitzender der Alevitischen Gemeinde in Deutschland und führender Repräsentant der Kurdischen Gemeinde. Er war früher bei den Grünen aktiv, hat die aber verlassen, weil sie ihm wie die SPD zu unkritisch zu den islamistischen, auch israelfeindichen Islamverbänden sind, und hat sich der CDU angeschlossen, obwohl auch die in der Islam-Konferenz, der er früher angehörte, mit diesen Verbänden kooperiert, wie er beklagt. Vertreter aus der jüdischen Gemeinschaft und ihrem Umfeld sagten mir verständlicherweise, dass sie sich an einer solchen Aktion im Moment nicht beteiligen wollen, weil das zu riskant sei und weil die Öffentlichkeit ohnehin gegen Israel und damit die Juden gerichtet sei.

Letzteres finde ich absolut beschämend: Zugewanderte arabische und türkische Muslime dürfen hier schreien „Solidarität mit Palästina“, „Tötet Juden!“, und ein „freies Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordan“ fordern, also ohne Israel, also ohne Juden, genauso wie die Hamas und wie auch angeblich Linke und Vertreter der unsäglichen BDS-“Kauft-nicht-bei-Juden/Israelis“-Kampagne. Ohne dass Polizei, Staatsanwaltschaft und Richter sofort einschreiten. Aber es ist nicht möglich, mit wesentlich größerer Legitimität „Solidarität mit Israel und den Juden“ auch nur leise vorzubringen – mit Vertretern des demokratisch-aufgeklärten Spektrums, in einer Stadt, die so stolz ist auf ihre Liberalität und Weltoffenheit? Das will mir nicht in den Kopf und ins Herz.

Pflicht zur Solidarität mit den Angegriffenen

Denn Israel ist nicht nur, wie ich hier in meinem Blog schon geschrieben habe, die Heimstatt der Juden in aller Welt, wo sie Schutz suchen können, wenn sie in ihren Heimatländern keinen mehr sehen – solange nicht auch dieser Schutzort von palästinensischen und anderen Erzfeinden angegriffen wird. Gegründet auf Besschluss der UN, die Israel heute als Paria behandeln – als Konsequenz aus der Nazi-Barbarei und dem einzigartigen Völkermord an den Juden Europas und der versuchten auch kulturellen und historischen Vernichtung des Judentums. Israel ist auch die einzige liberale, rechtsstaatliche, multiethnische und multireligiöse Demokratie im Nahen und Mittleren Osten – in einem feindlichen, despotischen, schrecklichen Umfeld. Ein Außenposten des freien, offenen, liberalen Westen und von seiner Gründungsgeschichte her auch Europas.

Deshalb also eigentlich unserer (?) geborener natürlicher, wesensmäßiger, geistiger Partner und Verbündeter. Ein führendes Land in der Wissenschaft, Forschung, Technologie, auch bei der Corona-Bekämpfung. Und – bei allen Problemen und Konflikten im Inneren, bei einer unbestrittenen Diskriminierung arabischern Bürger und der völkerrechtswidrigen Besetzung und Besiedlung von palästinensisch-arabischem Land – ein wundervolle, wundersame, sehr diverse, bunte, lebenslustige Einwanderer-Nation. Gegen alle Wahrscheinlichkeit, dass diese winzige Land, der kleine David gegen die Goliaths ringsum, jemals hätte überleben können in all den Vernichtungskriegen und Terrorangriffen, denen er seit 1948 augesetzt war und ist.

Meine bleibenden Erfahrungen in Israel

Ich war dort nur einmal, vor 46 Jahren, während meines Zivildienstes als Kriegsdienstverweigerer. Mit einer christlichen Jugendgruppe habe ich fünf Wochen in einem kommunistischen Kibbuz von Holocaust-Überlebenden in der Nähe von Nazareth Obst gepflückt. Wir waren die erste Gruppe aus Deutschland, die sie aufnahmen, mit erkennbarer, verständlicher Skepsis, aber warmherzig und offen. Ich habe in dieser Zeit Rassismus der Kibbuzniks gegenüber Arabern erlebt, selbst gegenüber orientalischen Juden, die in einem Dorf in der Nachbarschaft lebten. Aber auch, wie in dieser Zeit israelische Soldaten in einer Kamikaze-Aktion in Entebbe Juden aus einer von arabisch-palästinensichen Terroristen entführten ElAl-Maschine befreiten. Den Jubel an dem Morgen werde ich nie vergessen: Die geteilten Gefühle von Menschen, die sich 30 Jahre nach dem Holocaust wieder und immer noch bedroht fühlten (und bis heute fühlen) – und völlig allein gestellt in der Welt. „Keiner steht uns bei, auch die Amerikaner nicht. Die Deutschen schon gar nicht. Wir können uns nur selber helfen und schützen.“ Das hat mich beschämt, aber auch ein tiefes Mitgefühl mit diesen Menschen in mir eingebrannt.

In Jerusalem unterhielten wir uns in einem Linienbus fröhlich auf Deutsch. Eine alte Jüdin mit eintätowierter KZ-Nummer auf dem Arm sprach uns an, in rostigem Deutsch: „Ich hatte mir geschworen, nie wieder mit Deutschen und Deutsch zu reden. Aber Ihr seid eine andere Generation. Ihr tragt keine Schuld. Aber Verantwortung dafür, dass das nie wieder geschieht. Shalom. Willkommen in Israel.“ Das war für mich ein Stück Befreiung von der Last auf meinen Schultern und meiner Seele, auch durch meine eigene Familiengeschichte. Und eine Verpflichtung für mich. Bis heute. Ihr und allen anderen Juden und Jüdinnen gegenüber.

Israel – ein kurioses, ewig bedrohtes Wunder

In Nazareth, anderen Orten und Jerusalem, dieser wundervollen, Juden, Muslimen wie Christen allerheiligen Stadt, habe ich auch Araber getroffen und mit ihnen Schnaps getrunken und „Salem Alaikum“ ausgetauscht, was nichts anderes bedeutet als „Shalom“: Friede. Der Auftrag auch meines Christentums: Friede – Versöhnung – Gerechtigkeit in die Welt zu bringen. Zu meinen Freunden gehören auch Palästinenser. Mit ihnen teile ich die gleichen Gedanken.

Israel, dieses kuriose Wunder aus der Asche der Schoa, des Holocaust mit seinen wunderbaren, manchmal störrischen, teils schrecklichen Menschen, ist auch jetzt wieder bedroht. Jeden Tag, jede Nacht, jede Stunde. Er bricht mir das Herz. Ich bete für sie, als Christenmensch. Denn das Christentum ist aus dem Judentum hervorgegangen. Jesus war ein getaufter Jude. Der Hass auf Juden ist aus dem Christentum entstanden, so wie es bei ursprünglichen Sekten oft der Fall ist. Aber er wird heute weitergetragen auch von Muslimen, Linken (oder solchen, die sich dafür halten), sog. Antirassisten, selbsterklärten Antikolonialisten (was immer das sein soll lange nach dem Ende der Kolonial-Epoche, und was immer das mit Israel und dem jüdischen Volk zu tun hat, das im gesamten Verlauf seiner Geschichte bis heute stets Opfer imperialer, kolonialer Verbrechen war, von den alten Ägyptern über die Römer, den Kalifen und Mauren bis zu den Osmanischen Herrschern, den Briten und Arabern, die mit Hitler und den Nazis gegen sie kollaborierten, und seinen Epigonen heute rechts wie leider auch links).

Die ängstliche, verdrucktes Mitte

Und leiderleider auch in und aus der politischen und gesellschaftlichen Mitte. Wie die Nicht-Reaktionen auf meine Bemühungen zeigen. Aber auch völlig abgedrehte Äußerungen des SPD-Co-Vorsitzenden Walter-Borjans, der allen Ernstes verlangt, Israel solle sich ausgrechnet von Deutschen Vorschriften machen lassen, wie und ob es sich gegen Vernichtungsangriffe seiner Feinde wehrt – als Gegenleistung für Waffenlieferungen, die er immerhin gnädig weiter in Aussicht stellt. So etwas macht mich fassunglos. Sozialdemokraten und Linke, die vordem zurecht stolz waren auf ihren Internationalismus, ihr Anti-Nazi-Tum, ihr Bekenntnis zur Solidarität mit Schwachen, Unterdrückten und Bedrohten, verraten ihre eigenen Grundsätze und Pflichten, und stehen ihnen nicht bei (obwohl die Mehrzahl der heute verteufelten Zionisten und die Gründerväter und -mütter Israels Sozialisten und Sozialdemokraten waren).

Aber auch Konservative, Bürgerliche, Liberale schweigen verdruckst ob des antijüdischen Mobs oder belassen es bei Lippenbekenntnissen. Und hohlen Phrasen.

Das ertrage ich nicht

Ich werde nun, als Neumitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, mit anderen an einem Neztwerk knüpfen, um dem Juden- und Israelhass langfristig entgegenzuwirken, einer mit anderen Formen des tatsächlichen oder vermeintlichen Rassismus nicht vergleichbaren sehr speziellen Urform der Menschenfeindlichkeit. Der sich tief eingefressen hat in die Köpfe auch von vermeintlich aufgeklärten Menschen und angeblichen „Opfern“.

Keine „(End)Lösung“ – nirgends

PS: Nein, eine Lösung für den ewigen, ewig unlösbaren Konflikt zwischen Juden und Arabern im gemeinsamem Palästina weiß ich auch nicht. Eine Zweistaatenlösung ist genauso unrealistisch wie ein gemeinsamer, föderaler Staat oder was auch immer. Aber das ist jetzt und aus unabsehbare Zeit überhaupt kein Thema. Schon überhaupt nicht für Deutsche und Menschen, die hierher zugewandert sind und in der gleichen historischen Verantwortung stehen, ob sie wollen oder nicht. Die Menschen in Palästina sind, genauso wie Einheimische und Zugewanderte hier, zum Zusammen- und Nebeneinanderleben verdammt und beglückt. Irgendwie. Irgendwann.

PPS: Und Nein, Araber/Palästinenser sind nicht „die Juden von heute“. AfDler und andere braune Consorten ebensowenig. Nur Juden sind Juden. Ein seit ewigen Zeiten verfolgtes, nur insofern „auserwähltes“ Volk. Menschen wie wir, wie Du, ich, Sie, wie Araber, Europäer und alle anderen. Nicht mehr, vor allem: nicht weniger.

Deutschland beschämt sich


Seit einer Woche toben zugewanderte Muslimen und Linke ihren Judenhass aus, während die Hamas Israel mit Terrokrieg überzieht. Und was tut die deutsche Politik, um die Juden hierzulande zu verteidigen und Israel zu helfen? Nichts

Nach dem Anschlag eines Rechtsextremisten auf die Synagoge in Halle gab es pflichtgemäßes Entsetzen. Politiker gelobten, die jüdischen „Mitbürgerinnen und Mitbürger“ vor solchen Angriffen und dem um sich greifenden Antisemitismus besser zu schützen. Was von solchen Worten zu halten ist, wenn es darauf ankommt und die antisemitische Gewalt wie meist nicht von rechts, sondern von Muslimen und von links kommt, erleben wir, seit die radikalislamische Hamas und der Islamischer Dschihad die Menschen in Israel unablässlich mit Raketen angreift, die Israels Erzfeind Iran geliefert hat, desses Trachten wie das der Hamas und anderer Islamisten es ist, den jüdischen Staat und die Juden auszulöschen: Junge migrantische Männer mutmaßlich muslimischen Glaubens attackieren im Verbund mit Linken und BDSlern Synagogen, schreien ihren Hass auf Juden und Israel und ihre Mordphantasien im Namen des Propheten heraus und verbrennen israelische Fahnen, auf denen der Davidstern abgebildet ist – das Symbol des Judentums. 76 Jahre nach dem Holocaust, dem „großen Verbrennen“ der Juden Europas.

In deutschen Medien wurden die antijüdischen Ausschreitungen trotz ihres eindeutigen Charakters anfangs zum Teil als „antiisraelische Demonstrationen“ verharmlost. Dabei haben die Juden hierzulande mit dem, was im Nahen Osten passiert, Nullkommanull zu tun. Und die Angriffe dort gehen auschließlich von der Hamas und dem Islamischen Dschihad aus. Dennoch ist weiterhin von „Angriffen“ Israels die Rede, wenn es sein selbstverständliches Verteidigungsrecht ausübt und versucht, die Raketenstellungen und die militärischen und politischen Kommandeure im Gazastreifen auszuschalten, um seine Bürger vor weiteren Angriffen zu schützen. Hätte irgendjemand von einem „Angriff“ gesprochen, wenn die Juden in der Halleschen Synagoge Waffen gehabt und zurückgeschossen hätten, als der Angreifer auf die Tür schoss, die allein sie schützte – nicht der deutsche Staat, nicht all die selbsterklärten Antifaschisten und Nazi-Gegner?

Keine Solidarität mit Israel

Wo aber bleiben jetzt Solidaritätskundgebungen für Israel und die Juden dort und hier von denen, die sonst immer gerne ihre verbale Verurteilung des Antisemitismus und ihre klare Haltung „gegen rechts“ bekunden? Weshalb haben Bundespräsident Steienmeier und Kanzlerin Merkel nicht sofort eine der angegriffenen jüdischen Gemeinden besucht und den Jüdinnen und Juden versichert, dass die Bundesregierung und die Landesregierungen alle rechtlichen und sonstigen Mittel nutzen werden, um die judenfeindlichen Ausschreitungen zu unterbinden und die Täter und Verantwortlichen dingfest zu machen und mit der ganzen Härte der Gesetze zu bestrafen, gegebenenfalls auch auszuweisen?

Stattdessen Lippenbekenntnisse. Außenminister Heiko Maas (SPD) sagt, Israel habe „in diesem Fall“ das Recht zur Selbstverteidigung. Nein, das hat es immer, wie jeder Staat, jede Nation, jeder Mensch. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock warnt vor einer „Spirale der Gewalt“. Das verschleiert, von dem die Gewalt ausgeht. Der Streit um einige Häuser in einem ehemals hauptsächlich jüdischen, seit den Vertreibungen 1948 muslimischen Viertel Jerusalems, die nach einem Urteil des Obersten Israelischen Gerichts an die Nachkommen der einstigen Bewohner zurückgegeben werden sollten, dient der Hamas nur als Vorwand. In Wahrheit ist ihre Führung frustriert, weil Abbas die Parlamentswahl in den Palästinensergebieten im Westjordanland wieder einmal abgesagt hat, von der sie sich einen Zugewinn an Macht erhofft hatte.

Warum keine deutschen Abwehrraketen?

Alleine der CDU-Vorsitzende und Unionskanzlerkandidat Armin Laschet stellte sich von Anfang an vorbehaltlos aufseiten Israels und sprach zurecht von einem „abscheulichen Krieg“ der Hamas. Was jedoch fehlt ist das Angebot, Israel militärisch zu unterstützen, etwas durch die Lieferung von Abwehraketen wie beim Irakkrieg, als Saddam Hussein damit drohte, Israel mit Raketen zu vernichten. Baerbock lehnt das ab. Dabei ist die Verteidigung Israels deutsche Staatsräson, wie die Kanzlerin und ihre Vorgänger immer wieder betont haben. Schließlich ist Israel nicht nur die Heimstatt der Juden, gegründet als Konsequenz aus dem Holocaust. Es ist auch die einzige liberale säkulare Demokratie im Nahen Osten. Eigentlich müssten ihn deshalb gerade Linke und Antirassisten verteidigen. Aber eben nur eigentlich.

Juden-Boykott und FFF-Pharisäertum

Nur noch zynisch wirken angesichts der Bilder aus Israel von Menschen, die in Bunkern Schutz suchen oder trotz des „Eisernen Doms“ der israelischen Armee getroffen und getötet werden, die antisemitische, israelfeindliche BDS-Boykottkampagne und die Debatte darum, die Künstler und Intellektuelle angestrengt haben. Kritik an der Besatzungspolitik der israelischen Regierung ist selbstverständlich legitim. Sie wird ja auch von Israelis heftig kritisiert. Aber paschaule „Israel-Kritik“ bedeutet nichts anderes als das, was die Hamas macht: das Existenzrecht Israels infrage zu stellen.

Greta Thurnberg, die Anführerin der Fridays-For-Future-Bewegung, retweetet Karten von Palästina ohne Israel. Ihre deutsche Vertreterin Lisa Neubauer wirft derweil dem CDU-Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen ohne wirklichen Beleg Antisemitismus vor. Das ist absurd. Kritik an der israelischen Politik muss jetzt zurückstehen. Es geht um das Überleben der Menschen dort.

Judenhass darf in Deutschland, dem Land der Täter, keinen Millimeter Platz haben. Egal von wem. Egal wo er oder sie herkommt.