Texte

„Wir dürfen die CDU nicht sozialdemokratisieren“
Interview mit Armin Laschet

Der designierte Vorsitzende der NRW-CDU, Armin Laschet, kritisiert im Cicero-Online-Gespräch die Bundespartei, Kanzlerin Merkel sowie seine beiden Vorgänger Norbert Röttgen und Jürgen Rüttgers. Zudem fordert er eine Grundsatzdebatte über den künftigen Kurs der Union

Lesen Sie das komplette Interview hier

 

Bert Rürups krumme Touren

(in Cicero Juni/2012)

Bert Rürup ist ein rastloser Mensch. An Selbstbewusstsein mangelt es dem emeritierten Wirtschaftsprofessor und früheren Vorsitzenden der Wirtschaftsweisen nicht. Wenn er sich angegriffen fühlt, was neuerdings wieder häufiger der Fall ist, dann haut der 68-Jährige kräftig um sich. „Absurd“, „bösartig“, „kopflos“ nennt er Fragen nach eigenen materiellen Vorteilen durch sein Engagement beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das er nach jahrelangen Turbulenzen eigentlich befrieden sollte. Das Gegenteil hat er erreicht: Innerhalb des Instituts brodelt es, und der Widerstand gegen den allmächtigen Kuratoriumsvorsitzenden Rürup wächst. Kritische Fragen von außen bügelt dieser aber weiterhin unwirsch ab: „Was wollen Sie eigentlich?“

Und das ist noch harmlos. Internen Kritikern droht er nicht selten mit persönlichen Konsequenzen. Oft mit Erfolg: Die meisten kuschen. Noch.

Viele Jahre genoss der schlaksige, meist düster blickende Ökonom die Rolle als Rentenpapst der Republik. Er beriet verschiedenste Regierungen und wies Sozialkassen wie Finanzunternehmen den Weg. Kaum zählbar sind die Ämter, Aufgaben, Posten, die der umtriebige Professor in seinem Leben übernommen hat. Schon als junger Mitarbeiter im Planungsstab des Kanzleramts unter Helmut Schmidt warnte Rürup vor einem drohenden gigantischen Rentenloch. Aber keiner wollte auf ihn hören. Später beriet der Wirtschaftswissenschaftler mit SPD-Parteibuch auch die Kohl-Regierung: Für Norbert Blüm entwarf er maßgeblich den „demografischen Faktor“ als Kernstück seiner Rentenreform 1998 – und für dessen SPD-Nachfolger Walter Riester Kernelemente der rot-grünen Gegenreform. Weshalb nicht wenige Rürup für einen ziemlich wendigen Experten halten.

Auf dem Höhepunkt war der Politikweiser von 2000 bis 2009 Mitglied und Chef des Sachverständigenrats und leitete gleichzeitig den Sozialbeirat der Bundesregierung. Als Vorsitzender zweier weiterer „Rürup-Kommissionen“ entwickelte der Allzweckberater zudem die Blaupausen für weitere Umbauten am Renten- und Sozialsystem. Kein Wunder, dass sogar eine besondere Form der Altersvorsorge seinen Namen trägt: die „Rürup-Rente“.

Ein solcher Multiexperte konnte sich nach seiner Emeritierung natürlich nicht zur Ruhe setzen. Und so beschloss Rürup, sein Wissen nun ordentlich zu Geld zu machen. Vom Olymp der Lehre und Politikweisung ging er ausgerechnet zum hoch umstrittenen Finanzdienstleister AWD, der – wie die Versicherungen, deren Produkte Tausende AWD-Vertreter vertreiben – bis heute kräftig an den Reformen verdient, welche der neue „Chefökonom und Sonderberater“ einst mitentwickelt hatte. Ein Seitenwechsel, der Rürup nicht gut bekam: Den Doppelvorsitz im Sachverständigenrat und Sozialbeirat musste er auf Drängen der Opposition niederlegen, nachdem sein lukrativer Umstieg in die Wirtschaft bekannt wurde.

Doch Neuunternehmer Rürup, der Ende 2009 mit dem schillernden AWDGründer Carsten Maschmeyer eine eigene Beratungsfirma gründete, suchte nach neuen Herausforderungen. Und fand sie beim Berliner DIW. Das größte unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitut, das seit Jahrzehnten die Politik mit Prognosen, Gutachten und Daten versorgt, war unter ihrem damaligen Präsidenten Klaus Zimmermann in den Jahren zuvor mächtig ins Gerede gekommen. Dem ehrgeizigen Arbeitsmarktforscher, der das DIW seit 2000 leitete, wurden autokratischer Führungsstil und Verschwendung von Steuergeldern vorgeworfen, vor allem aber eine Abkehr von der früheren „linken“, stark keynesianischen und damit SPD- und gewerkschaftsnahen Ausrichtung.

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Breslau: Die Geschichte tropft aus jeder Dachrinne
Die Stadt Breslau in Polen ist nicht nur Austragungsort der Fußball-EM, sondern war bis 1945 auch eine der größten Städte Deutschlands. Jetzt besinnt sie sich wieder der gemeinsamen Wurzeln.
Von Ludwig Greven (in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 10. Juni 2012)

Das „Haus zu sieben Kurfürsten“ am Rynek in Breslau

Das „Haus zu sieben Kurfürsten“ am Rynek in Breslau
© Peter Hirth/laif

Seit einiger Zeit ist in Deutschland viel von Gentrifizierung die Rede, der Verdrängung angestammter Bewohner aus „ihren“ Vierteln durch Investoren, Wohnungsspekulanten und gut verdienende Zuzügler. Wenn man begreifen will, was Vertreibung einer fast kompletten Bevölkerung aus ihrer Stadt wirklich bedeutet, sollte man eher ins südpolnische Wroclaw fahren, während der Fußball-EM Vorrundenspielstätte für die Mannschaften Polens, Russlands, der Tschechischen Republik und Griechenlands – und bis 1945 unter dem Namen Breslau viertgrößte Stadt Deutschlands.

Kaum eine Stadt spiegelt die bis heute schwer belastete deutsch-polnische Geschichte und die Tragödie des Zweiten Weltkriegs derart wieder wie diese niederschlesische Metropole. Über Jahrhunderte lebten hier Deutsche, Polen und Juden gemeinsam unter wechselnder Herrschaft. Fünf Jahrhunderte lang, vom 13. bis ins 18. Jahrhundert, gehörte das ehemals slawische Fürstentum zu Böhmen und zum österreichischen Kaiserreich, bis Friedrich der Große 1741 Schlesien und Breslau von den Habsburgern eroberte.

Die deutsche Vergangenheit wurde gelöscht

Danach entwickelte sich die Stadt bis ins 20. Jahrhundert zu einem wirtschaftlichen, geistigen und wissenschaftlichen Zentrum Preußens und des deutschen Reichs. Diese Epoche endete im Frühsommer 1945. Nach dem Ende des von Nazi-Deutschland entfachten Weltkriegs, dessen erstes Opfer Polen war, musste die deutsche Bevölkerung, fast 90 Prozent der Einwohner, die Stadt verlassen. Sie wurden in Zügen vor die Stadt gekarrt, von wo sie sich in Flüchtlingstrecks in das zerstörte deutsche Restreich schleppten. In den Jahren zuvor waren alle Juden der Stadt, die nach Berlin zweitgrößte jüdisch-deutsche Gemeinde, in die KZs zur Vernichtung transportiert worden.

In die fast menschenleere, zu 70 Prozent zerstörte Stadt kamen nach dieser fast vollständigen Entkernung Polen. Auch sie Vertriebene, aus dem von der Sowjetunion einverleibten, 1.000 Kilometer weiter östlich gelegenen Gebiet um Lemberg in der heutigen Westukraine – Ergebnis der von den Alliierten beschlossenen Westverschiebung Polens.

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