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Der Stadt- und Entwicklungsausschuss des Sundener Stadtrates hat die Entscheidung über einen Abrisse des ehemaligen kommunalen Schwimmbads vertragt, nachdem ich hier in meinem Blog berichtet hatte, dass möglicherweise Unterlagen dazu verbrannt wurden.

(Aufgrund presserechtlicher Intervention von interessierter Seite war ich gezwungen, diesen von mir sorgfältigst nach allen Regeln des journalistischen Handwerks recherchierten Bericht an einigen markierten Stellen zu kürzen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass alle nun gestrichenen Passagen unwahr oder falsch sind. Als freier Journalist kann und will ich mich jedoch nicht auf einen langen, teuren Rechtsstreit einlassen.)

Um das Freibad der Stadt Sundern am Sorpesee zieht sich eine lange traurige Geschichte. 2009 beschloss die städtische Sorpesee GmbH als Eigentümerin unter Verantwortung des damaligen CDU-Bürgermeisters Dtlef Lins, das in den 1970er Jahren mit Landesgeldern gebaute Bad für ein Jahr zu schließen. Begründung: Das Bad müsse saniert werden, die dafür notwendigen 1,1 Millionen Euro fehlten. (…) Die Folge: Das Freibad verfiel und ist heute nur noch eine Ruine.

Auf Antrag des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Rat, Michael Stechele, sollte der Stadt- und Entwicklungsausschuss am Dienstagabend beschließen, die Reste des Freibads zu beseitigen, nachdem im vergangenen Jahr bereits das Torhaus wegen Einsturzgefahr abgerissen werden musste. Für den Abriss muss die Stadt etwa 200.000 Euro aufbringen. Begründung von Michael Stechele: Bei einem geplanten Verkauf des Grundstücks an einen Investor stelle der jetzige Zustand eine Wertminderung dar. Außerdem versursache die Freibad-Fläche jedes Jahr Kosten für die Stadt, und sie sei ein „Schandfleck“. Möglicherweise auch aufgrund dieses kurz vorher von mir veröffentlichen Blogeintrags wurde die Entscheidung in eine Sondersitzung vertagt.

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(…) Das bestätigten mir zwei der Ohrenzeugen und inzwischen auch die Mutter des Prokuristen der Sorpesee GmbH Niklas Wortmann. Was Brigitte Wortmann nicht wusste: Die beiden und andere Umstehende gehören zu einer Iniative, die sich seit Jahren für einen Erhalt des Freibads einsetzt. Sie sagte auch mir jetzt, sie bedauere, dass sie die Unterlagen ihres Mannes verbrannt habe. Denn sie hätten bei Strafermittlungen später noch „nützlich“ können.

Zum Hintergrund: Gegen Lins, der selbst Geschäftsführer der Sorpesee GmbH war, bevor er Bürgermeister wurde, wurde (…)  wegen Verdachts der mehrfachen Untreue ermittelt, seine Amtsräume und sein Privathaus wurden durchsucht . Deswegen stellte ihn die CDU 2015 nicht wieder auf. Die Ermittlungen wurden später gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Lins plant offenbar, 2020 bei der Bürgermeisterwahl wieder anzutreten.

Der Prokurist will von nicht gewusst haben

Niklas Wortmann sagte mir zu der Aussage seiner Mutter: „Ich weiß davon nichts.“ An die Entscheidung, das Freibad 2010 zu schließen, könne er sich nicht genau erinnern, obwohl er schon damals als Prokurist zur Geschäftsführung gehörte. Sie seien in jedem Fall in Abstimmung mit dem damaligen Bürgermeister Lins und dem Rat getroffen worden. Vom Rat gab es dazu jedoch keinen Beschluss, weder das Bad erst vorübergehend noch es dann 2010 endgültig zu schließen. Im Rathaus gibt es angeblich ebenfalls keine Akten mehr dazu.

Wortmann sagte weiter, die Entscheidung, das Bad 2010 nicht wieder zu eröffnen und auf eine Renovierung zu verzichten, habe im Zusammenhang mit der Zusage eines Investors gestanden, der auf dem benachbarten Grundstück Ferienappartements errichten und dafür einen Ersatz für das Schwimmbad schaffen wollte. Dieses Projekt ist jedoch später geplatzt, weil der Investor das nötige Geld nicht aufbrachte. Nun soll offenbar ein neuer Investor gesucht werden. (…)

CDU-Ratsmitglied empört über Vorgehensweise

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CDU-Ratsmitglied Friedrich Becker, der seit 2009 in der Gesellschafterversammlung der Sorpesee GmbH sitzt, sagte mir: „Ich habe Hinweise, an wen die technische Einrichtung gegangen ist.“ (…) Der Investor, der die Ferienappartments nebenan bauen wollte, habe die Option gehabt, auch das große städtische Freibad-Grundstück zu kaufen, habe aber darauf verzichtet.

(…) Ein Neubau würde schätzungsweise drei Millionen Euro kosten, Geld, das die Stadt nicht hat.

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Herr Becker legt Wert darauf, dass er nicht gesagt hat, dass der Geschäftsführer der Sorpesee GmbH, Martin Levermann, im Auftrag des damaligen CDU-Bürgermeisters Lins entschieden oder fahrlässig geduldet habe, dass die 2005 neu eingebauten Pumpen und Leitungen aus dem stillgelegten Bad heimlich ausgebaut und entwendet wurden. Ich hatte das entsprechend geändert.

(Das verwendete Foto stammt mit freundlicher Genehmigung vom Blickpunkt Arnsberg-Sundern-Meschede)