Peinliches Aus: Jogi Merkel müssen weg!


Das schmähliches Ausscheiden des amtierenden Weltmeisters aus der Fußball-WM ausgerechnet im Putin-Reich passt zum Abstieg des amtierenden Exportweltmeisters aus der europäischen politischen und Welt-Liga. Und der absehbare Abgang des Bundestrainers zum sich abzeichnenden Ende der langen Amtszeit der ihm sehr ähnlichen Kanzlerin.

Ein alte fußball-politisches Theorem besagt, dass die Nachkriegskanzler und die jeweiligen Trainer der Fußball-Nationalmannschaft häufig wesensverwandt waren. Das galt schon für Konrad Adenauer und Sepp Herberger. Beide sorgten für den auch moralischen Wiederaufstieg des besiegten Landes nach dem Krieg und erste große Erfolge: bei Herberger das WM-Wunder von Bern 1954, bei Adenauer und dem ihm folgenden Ludwig Erhard die Rückkehr der demokratisierten Bundesrepublik in den Kreis der geachteten westlichen Staaten und das Wirtschaftswunder.

Zum nüchternen Helmut Schmidt mit der maritimen Hamburger Kappe passte kongenial Helmut Schön, der Mann mit der Mütze: beides erfolgsorientierte, visionslose Pragmatiker. Als die bundesdeutsche Mannschaft 1974 zum zweitem Mal Weltmeister wurde, war Schmidt allerdings erst gerade Kanzler geworden. Zuvor war sie peinlicherweise von der DDR-Auswahl geschlagen worden. Das passte wiederum zum Stasi-Angriff auf Vorgänger Willy Brandt, der zu seinem Sturz führte.

Birne und der Terrier

In Helmut Kohl 16 Jahre währender Amtszeit gab es gleich drei Bundestrainer: Jupp Derwall und Berti Vogts entsprachen ihm eher als der strahlende Fußballkaiser Franz Beckenbauer, der jedoch wie der Pfälzer Dauerkanzler von der deutschen Einigung profitierte. Auch dank ehemaliger DDR-Spieler gewann er mit der gesamtdeutsche Mannschaft die WM 1990. Danach erklärte er die deutsche Elf auf Jahre hinaus für „unbesiegbar“. Das war genauso illusionär wie Kohls Prognose „blühender Landschaften“ im Osten.

Vogts, der als Spieler wegen seiner verbissenen Spielweise „Terrier“ genannt wurde, führte das DFB-Team immerhin 1996 zur Europameisterschaft in England. Dennoch blieb er umstritten. 1998 wurde er fast zeitgleich mit Kohl abgelöst. Sicher kein Zufall.

Wandlungsfähige Pragmatiker

Nun seit vielen Jahren das eng verbandelte Duo Angela Merkel/Jogi Löw. Beide zunächst unterschätzte Underdogs im Schatten ihrer Vorgänger. Als entschlossene Realisten bau(t)en sie nicht auf ein festes System, sondern passten ihre Strategie lange Zeit gekonnt und erfolgreich dem jeweiligen Gegner an. Und hielten sich so gegen alle Widrigkeiten im Amt. Anders als ihre charismatischeren Prätendenten Gerhard Schröder und Jürgen Klinsmann. Die rangen ihre Feinde zwar häufig kampfbewusst nieder, mussten aber nach einer Mischung aus umjubelten Siegen und finalen Niederlagen bei der Bundestags-Neuwahl 2002 bzw. der WM im eigenen Land 2006 nach relativ kurzer Zeit den Hut nehmen.

Merkel und Löw werden jetzt wohl auch abgelöst. Im Fall des Bundestrainers ist zu erwarten, dass er selbst den Abschied nimmt, bevor man ihm den Stuhl vor die Tür stellt. Obwohl er für die grottenschlechten Spiele der deutschen Elf in der Vorrunde gegen Mexiko und Fußball-Zwerg Südkorea nicht allein verantwortlich ist, trägt er wie Merkel die oberste Verantwortung.

Die Kanzlerin fällt gleichfalls schlechtem Mannschaftsspiel zum Opfer, in ihrem Fall des Innen- und Heimatverteidigers Horst Seehofer. Aber auch eigenem Unvermögen. Auch in ihrem Fall rufen viele ihrer ehemaligen Fans schon lange: „… muss weg!“ Aber sie wehrte sich wie Löw bislang gegen die Einsicht, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Sie werden ihre Gegner wohl, anders als ihn, aus dem Amt entfernen müssen.

Im Fußball spricht man dann von einem notwendigen Neuaufbau. Und in der Politik?

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