Trumps Neuer in Pjöngjang


Der derzeitige Nutzer des Weißen Herrscherhauses in Washington friedens-flirtet heftig mit dem kleinen nordkoreanischen Dick-tator Kim Jong-un in Pjöngjang. Fällt der Atomkrieg in Fernost also vorerst aus? Wo bleibt der Trump-Tweet dazu?

Die Bewohner des Weißen Hauses leiden seit jeher unter Einsamkeit. Denn Macht macht immer einsam, die größte Macht auf Erden erst recht. Das ging Obama und den meisten seiner Vorgänger so. Und darunter leidet ganz offensichtlich auch Donald Trump, seit er der 45. Präsident der USA wurde. Jeden Tag mehr. All seine wirren Tweets helfen ihm da wohl nicht, auch nicht Millionen an Re-Tweets seiner Anhänger.

Ausshöhung mit einem kleinen Erz-Feind

Und es ist ja wirklich einsam um ihn: Mit seinem wichtigsten Wahlkampf-Verbündeten Putin hat er sich verkracht, jüngst in Syrien. Ein Sonder- und sonstige Ermittler jagen ihn. Republikaner gehen aus Angst um ihre Wiederwahl bei den Midterm-Elections im Herbst auf Distanz zu ihm. Seine Gattin wg. früherer (?) Sexkapaden ebf. Gegen China hat er einen verheerenden Handelskrieg eröffnet.

Was liegt da näher, als wenigstens mit einem Mann die Aussöhnung zu suchen, der noch verrückter erscheint als er und mit er sich noch im Januar im atompolitischen Penis-Vergleich übte („Ich habe den dickeren!“): Kim Jong-Un, seines Zeichen aktueller Sprößling der steinzeit-stalinistischen Herrscher-Dynastie in Nordkorea.

Gesprächsfaden an Ostern

Zwar lässt Trump bestreiten, dass er selbst schon mit seinem ungleichen, aber geistesverwandten Amtskollegen auf der anderen Seite des Pazifiks gesprochen hat. Aber der amtierende CIA-Direktor und designierte neue Außenminister Mike Pompeo soll an Ostern Kim besucht haben, als Trumps Botschafter, berichten die Washington Post und andere US-Medien.

Das wäre erst einmal eine gute Nachricht. Denn Diplomatie ist immer besser als Krieg, besonders ein noch vor Monaten ernsthaft drohender Atomkrieg. Erst recht, wenn es um zwei kaum kalkulierbare Machthaber geht wie Trump und Kim, die mit dem Knopf am Weltkriegs-Drücker spielen.

Gegenseitige Suche nach Anerkennung

Die nordkoreanische Herrscher-Clan-Clique hatte ja schon immer bei ihrem Atomwaffenprogramm und ihren Angst einflößenden A-Bomben-Tests ein klares Ziel: Anerkennung durch die USA als der Welt-Führungsmacht und dadurch Absicherung ihres Überlebens und ihrer Dauer-Macht. Wenn sich Trump also tatsächlich auf ein direktes Gespräch + Treffen einlässt, wie es aussieht, wie zuvor schon der südkoreanische Präsident, gibt es Anlass zur Hoffnung, dass dieser jahrzehntealte Konflikt zumindest eingedämmt wird.

Aber man sollte die Meldungen mit Vorsicht genießen. Beide, Trump wie Kim, sind unberechenbar. Beide können schon morgen wieder in Kriegsrhetorik verfallen. Ein winziger Anlass kann dazu genügen. Und selbst wenn Kim atomare Abrüstung verspricht: Das haben er und sein verstorbener Vater schon häufiger getan, stattdessen aber immer weiter atomar aufgerüstet.

Und auch Trump ändert seine Meinungen beständigt. Immerhin bekommt er nun aus berufenem Munde eine Bestätigung seiner persönlichen Macht. So etwas brauchen Machos wie er möglichst jeden Tag.

 

 

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