10 Irrtümer der #metoo-Kampagne


Ich habe eine Weile gebraucht um zu verstehen, was mich an der #MeToo-Kampagne stört:
1. Ohne Zweifel werden viele, viel zu viele Frauen (auch Männer), vor allem aber Kinder Opfer sexueller Gewalt. In den allermeisten Fällen sind die Täter jedoch nicht irgendwelche A- oder B-Prominente, sondern Männer aus ihrem Umfeld: Ehemänner, Väter, Partner, Onkel = Irrtum Nr. 1


2. Es ist nicht alles gleich und gleich schlimm: dumme Sprüche, Anmache, Grabschereien, sexuelle Belästigungen, Missbrauch, Vergewaltigungen. Gegen erstere kann sich frau im Zweifel wehren oder es ignorieren – wenn sie innerlich stark und gefestigt und sich ihres Wertes und ihrer Würde als Frau bewusst ist. Die betreffenden Männer blamieren sich selbst. Gegen sexuelle Gewalt ist Gegenwehr wesentlich schwieriger bis unmöglich. Hier helfen nur Aufklärung, Prävention, konsequente Verfolgung, harte Strafen.
3. Wenn die Besetzung einer Filmrolle/die Vergabe eines Jobs oder Praktikums/die Erlangung einer Promotion o.ä über die Couch des Produzenten/Regisseurs, den Schreibtisch eines Vorgesetzten, das Bett des Professors usw. erfolgt, kann frau Nein sagen – um den Preis, dass sie die Rolle/den Job/das Praktikum/den Dr. nicht bekommt. Sich hinterher/Jahrzehnte später zu beschweren, dass sie sich befingern oder begatten lassen „musste“, ist billig und selbstbeschämend. Machtverhältnisse, auch solche, die sich sexuell manifestieren, lassen sich nur ändern, wenn die Betroffenen Widerstand leisten. Einzeln oder – besser – im Kollektiv.
4. Bei Sexualdelikten gibt es in aller Regel keine Zeugen, sondern nur den tatsächlichen oder vermeintlichen Täter und das echte oder behauptete Opfer. Von außen ist hinterher oft/meist schwer zu beurteilen, was wirklich geschehen ist, es sei denn, es gibt eindeutige Spuren/Beweise, etwa bei Vergewaltigungen.
5. Wird eine Frau Opfer sexueller Gewalt und ihr wird nicht geglaubt, bedeutet das zweifellos eine weitere Demütigung/Traumatisierung. Ist ihre Behauptung jedoch falsch oder nicht beweisbar, wird der Beschuldigte womöglich völlig zu unrecht in seiner persönlichen Integrität verletzt oder gar „vernichtet“. Denn es gibt kaum einen schlimmeren, sozial geächteteren Vorwurf als sexuellen Missbrauch. Selbst im Gefängnis stehen deswegen Verurteilte in der Rangordnung ganz unten.
6. Daraus folgt: Solche Vorwürfe sind mit großer Vorsicht zu behandeln – im Interesse des Beschuldigten, aber auch des behaupteten Opfers. Auch es/sie muss geschützt werden, insbesondere von Journalisten, ggfs. auch vor sich selbst. Denn eine falsche oder nicht beweisbare Beschuldigung kann auf sie selbst zurückfallen. Im Zweifel ist daher ratsam, nicht zu berichten, wenn es keine eindeutigen Indizien gibt. In den sog. Social Media ist solche Abwägung nicht zu erwarten – da wird behauptet, beschuldigt, zurückgewiesen, was immer der Erregung dient!
7. Auch bei Sexualdelikten gilt die Unschuldsvermutung. Sie muss nicht nur juristisch, sondern auch in der Berichterstattung unbedingt beachtet werden. Denn weshalb sollten hier andere Maßstäbe gelten als bei anderen mutmaßlichen Straftaten/Verbrechen? Nur weil – meist – Frauen die Opfer sind oder behaupten es zu sein? Das wäre ebenfalls Diskriminierung: eine positive der Frauen und eine negative der betroffenen Männer.
8. Das führt mich zu dem Schluss: Die Kampagne zeigt AUCH, dass nicht wenige Frauen gerne „Opfer“ sind. Die öffentliche Anklage – in einigen Fällen in den USA Jahrzehnte (!) später – dient offenkundig der nachträglichen Selbstermächtigung, sich über den „Täter“ zu erheben. Als Versuch, im Nachhinein die Rollen umzukehren: Aus der Demütigung durch sexuellen oder sexualisierten Missbrauch soll eine Demütigung und Entwürdigung des tatsächlich oder vermeintlich Schuldigen werden.
Oder die Vorwürfe – ob sie zutreffen oder nicht – gelten einer Generalabrechnung an „den“ Männern, für erlittenes oder eingebildetes Unrecht, dass ihnen geschehen ist. Rache jedoch ist so oder so kein Motiv, dem die Öffentlichkeit folgen sollte.
9. Gerade wenn die behaupteten Vorfälle lange zurückliegen ist außerdem der (Rechts-)Grundsatz zu beachten, dass ein Täter immer nur nach den Regeln/ Gesetzen verfolgt werden darf, die zum Zeitpunkt der Tat galten. Wenn sich die sexuelle Moral ändert, kann frau nicht ohne weiteres Männern vorwerfen, gegen erst später entwickelte Normen verstoßen zu haben, die ihm (und ihr?) damals noch gar nicht bewusst waren. Es sei denn, es handelt sich um eindeutige Verbrechen wie Missbrauch oder Vergewaltigungen, die immer einen Verstoß gegen die Menschenwürde darstellen.
10. Vor 100 Jahren haben Frauen (auch) in Deutschland unter viel schwierigeren Umständen für ihre Gleichberechtigung gekämpft, zB das Wahlrecht. Der Frauenbewegung ab den 1970er Jahren ging es um weitere wichtige Schritte der Gleichstellung und Emanzipation. In der #Aufschrei-Kampagne und bei #MeToo geht es nach meinem Eindruck daran gemessen zT um weniger bedeutende, kleinere Fortschritte, die auch ohne so viel Aufhebens zu erreichen wären. Mädchen und Frauen müssen „nur“ lernen, im Zweifel Nein zu sagen – auch den eigenen Eltern und Vätern. Ich habe das meiner Tochter und meinen Söhnen beigebracht. Darauf bin ich stolz.