Nicht die Fresse halten


Wenige Tage nach der Bundestagswahl, bei der Union und SPD ordentlich in die Fresse bekamen, hat die Republik ein neues Erregungsthema. Anlass ist der lockere Spruch der neuen Oppositionsführerin Andrea Nahles, die die Prügel durch die Wähler auf die bisherigen Unions-Kollegen gemünzt und ihnen harte Attacke auch ins politische Gesicht versprochen hat. Die nahmen es angeblich amüsiert.

Doch die öffentliche Empörung ist seitdem groß. Das frühere Springer-Revolverblatt Berliner Morgenpost z.B., zusammen mit der Bild-Zeitung führend in der Abteilung Attacke unter der Gürtellinie, warf ihr „schlechte Kinderstube“ vor. Albern. Die Regierung  scharf zu attackieren, auch verbal, ist Kernaufgabe jeder Opposition. Wir hatten davon in den vergangenen großkoalitionären Jahren viel zu wenig.

Kein Wunder, dass FDP und AfD, beim letzten Mal knapp gescheitert, diesmal mit Aplomb in den Bundestag einzogen. FDP-Chef Lindner nimmt wie Linken-Frontfrau Wagenknecht ebenfalls kein Blatt vor den Mund. AfD-Anführer Gauland schon gar nicht. Deshalb ist es genauso albern, ihm Gewaltgelüste zu unterstellen, nur weil er als Vorsitzender der künftig zweitgrößten Oppositionsfraktion angekündigt hat, jede Regierung zu „jagen“. Verurteilen muss man ihn wegen seiner rassistischen Sprüche. Aber doch nicht dafür, dass er seine Oppositionsrolle ernst nimmt. Wie Nahles.

Früher ging es wesentlich rauer im Bundestag zu. Strauß, Wehner, Geißler, der frühe Joschka Fischer… – man erinnert sich mit Wehmut. Dumm deshalb, dass sich Nahles via Bild entschuldigt hat, dem übelst riechenden Bock im politischen Garten (in den kommen laut Gerhard Schröder bekanntlich nur die Harten).  Nieder mit den Pharisäern!

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