Zorn auf die G20-Krawalleros: Besuch an der Schanze


Ein netter Abend im Hamburger Schanzenviertel: Einkaufsbummel, Flanieren, Essen beim Griechen. Ein quirliges, buntes, halb gentrifiziertes und deshalb interessantes Quartier – wenn da nicht noch immer die Spuren der Gewalt und der Verwüstung von den beiden Krawallnächten beim G20-Gipfel wären: die damals geplünderte und gebrandschatzte Drogerie-Filiale von Bundniskowski ist noch immer zugenagelt, drinnen geht der Verkauf improvisiert weiter. „Bald sind wir wieder ganz für sie da“, verkündet ein Schild. Vor dem „entglasten“ ehemaligen Schaufenster prangt ein Banner: „Danke für die Solidarität“ – durch jene Schanzenbewohner und sonstigen Hamburger, die wie ich entsetzt über dieses Ausmaß hirnloser Gewalt im eigenen Viertel waren und sind.

In einem Geschäft für Vintage-Möbel, wo meine Frau und ich ein Regal kaufen, erzählt uns der türkische Besitzer, dass er und seine Brüder und weitere Mitglieder der Familie an den beiden Tagen im Geschäft waren, um es zu beschützen. Schließlich haben sie das Alles mühsam aufgebaut. Und wie viel Angst sie hatten. Zum Glück haben die linksextremen Spnner, die sich Autonome nennen, nur Schaufenster, Tür und Fassade beschädigt. Rein schafften sie es nicht. „Sonst hätten die wahrscheinlich innerhalb von Minuten alle Ware mitgenommen und das Geschäft zerstört“, sagt er. Weil er und seine Brüder den Laden seit 28 haben und noch nie einen Schaden hatten, zahlt die Versicherung, Aber nicht für die Umsatzausfälle.

Die Verkäuferin in einem Klamottengeschäft erzählt, dass ihr Chef an dem schwarzen Freitag unbedingt aufmachen wollte, obwohl sie alle aus Angst dagegen waren. Sie musste dann stattdessen in einer Filiale in Altona aushelfen. „Da war es auch nicht besser.“ Der Laden an der Schanze blieb zu seinem und zum Glück meiner Frau verschont. Auch hier „nur“ Geschäftsverluste.

Socrates, der mit seiner Familie seit 40 Jahren auf der Schanze ein uriges griechisches Restaurant betreibt, wo auch schon viele Promis verkehrten und wo wir im Hof lecker essen, berichtet, dass er an dem Tag der Gewalt die Gäste um 21 Uhr nach Hause schicken musste, „weil ich ihre Sicherheit nicht mehr garantieren konnte“. Auch hier zum Glück nur Schäden außen, wie bei einem netten Hostel ein paar Häuser weiter, wo viele junge Leute fröhlich im Garten sitzen, essen und trinken. Darunter womöglich auch einige, die vor zwei Wochen ihren jetzigen Gastgebern die Scheiben eingeschlagen haben. Genauso wie beim „Nur-hier“-Bäcker an der Ecke.

Socrates sagt, viele treue Stammgäste seien an den Krawalltagen weggeblieben. „Aber seitdem kommen viele neue, um uns zu unterstützen“. Kulinarische Solidarität!

Der Grieche Socrates und die türkischen Möbelverkäufer kamen wahrscheinlich einst auch als Flüchtlinge – vor den Miltitär-Putschisten und Obristen in Athen und in Ankara. Aber das interessiert die dummen Linksautonomen nicht, obwohl die sich ja für die Speerspitze im weltweiten Kampf für die Unterdrückten, Ausgebeuteten und Migranten halten. Aus ihrer Sicht sind die erfolgreich integrierten Einwanderer nun Teil des verhassten „kapitalistischen Schweinesystems“. Und deshalb zu bekämpfen.

Verrückte Welt.

 

 

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