Kein Anschluss unter meiner Nummer


Ich habe ja schon viel mit Telefonanbietern erlebt, insbesondere mit der Telekom, und viele gruselige Erfahrungsberichte von Opfern des einstigen Staatsmonopolisten gehört. Aber was ich in den vergangenen Wochen als „Kunde“ dieses Konzerns erlebt habe, spottet jeder Beschreibung.

Seit etwa einem Jahr habe ich, genauer: hatte ich einen sogenannten Partnervertrag für mein Handy bei T-Mobile. Zu – rückblickend betrachtet – übrigens ziemlich überteuerten Preisen. Weil meine Frau und ich seit einiger Zeit getrennte Wege gehen, waren wir Ende Juni in einem T-Punkt-Laden, um diesen Vertrag auf mich umzustellen. Das erforderte ca. 1 Stunde und zahllose Unterschriften auf einem vielseitigen Formular, wie es sich ein Bürokratiefanatiker nicht besser hätte ausdenken können. Es werde ein paar Tage dauern, so wurde mir versichert, dann laufe der Vertrag auf meinen Namen.

Also fuhr ich beruhigt in Urlaub. Schien ja alles geregelt. Weit gefehlt: Der Antrag ging irgendwo im verschlungenen Verwaltungsapparat der Telekom verloren. Das erfuhr ich allerdings erst viel später. Meiner Frau teilte die „Service-Stelle“ irgendwann mit, der Vertrag laufe weiter über sie. Mir erteilte die Abteilung mit dem irreführenden Namen dagegen keinerlei Auskunft, da ich ja kein Vertragsinhaber, sondern nur „Partner“ sei, also nichts zu sagen und zu fragen hätte. (Interessantes Verständnis von „Partnerschaft“ im 21. Jahrhundert übrigens! Aber das nur nebenbei.)

Da meine von mir inzwischen getrennt lebende Frau für meine Telefonkosten nicht mehr haften wollte, drohte sie damit, den Anschluss sperren zu lassen, falls ich den Vertrag nicht endlich umschreiben lasse. Was mir aber aus den genannten Gründen bis heute nicht gelang.

Also nahm das Unheil seinen bürokratischen Lauf: Vor knapp vier Wochen sperrte die Telekom ohne jede Vorwarnung mein Handy und nannte mir – s.o. – auf Nachfragen nicht einmal den Grund. Oder was ich tun könne, um wieder mit Welt in Kontakt treten zu können. „Ich darf Ihnen keinen Auskunft geben. Der Vertrag läuft nicht auf Sie“, so lautet die stereotype Antwort.

Da ich als freiberuflicher Journalist und Autor darauf angewiesen bin, ständig erreichbar zu sein, und mir aus dem Ausland außer Anrufen und Mails – in freundlichem oder drohenden Ton – kaum Mittel blieben, um gegen die Telekom-Kundenfeinde anzukommen, entschloss ich mich schließlich, den Anbieter zu wechseln. Meine Handy-Nummer wollte ich jedoch auf jeden Fall mitnehmen. Denn wie sollten mich sonst meine Kunden und Informanten erreichen?

Gestärkt fühlte ich mich durch eine neue EU-Richtlinie. Die legt seit 1. August eindeutig fest, dass die Telefonnummer dem Kunden gehört, nicht dem Anbieter. Der darf deshalb die sog. Portierung gar nicht verweigern, es sei denn, Rechnungen wären nicht bezahlt. Was in meinem Fall eindeutig ausscheidet. Meine Noch-Frau hatte der Übertragung der Nummer auf den neuen Anbieter sogar durch ein Schreiben an die Telekom ausdrücklich zugestimmt – für den Fall, das die den Handy-Anschluss, von dem sie sich ja längst losgesagt hatte, fälschlicherweise weiter als „Partner-Vertrag“ führe.

Der neue Anbieter, bei dem ich binnen 15 Minuten sehr freundlich und zu einem nur halb so teuren Tarif registriert wurde, teilte mir jedoch noch am gleichen Tag mit, dass zu seinem Bedauern die Telekom die Herausgabe der Nummer verweigere. Also erneute teure Anrufe bei der „Service-Stelle“ der Telekom, stundenlanges Warten in der Warteschleife, nur um am Ende von unwirschen Mitarbeitern wahlweise aus Sachsen, Hessen oder mit deutlichem Migrationshintergrund die bekannte Abfuhr zu bekommen: „Haben Sie das Kennwort? Sie sind gar nicht Vertragsinhaber!“ „Aber ich habe doch schon vor sieben Wochen die Übernahme des Vertrags beantragt!“ „Ich darf Ihnen keine Auskunft geben…“

Franz Kafka hätte es nicht schlimmer ausmalen können. Aber dann keimte unvermutet doch ein bisschen Hoffnung auf. Eine etwas weniger unfreundliche Frau im Callcenter ließ sich herab, mir zu verraten, dass der Antrag plötzlich wieder aufgetaucht sei. Allerdings unvollständig. Die letzte Seite mit der vollständigen Adresse fehle: „Wenn Sie denn Antrag jetzt noch einmal vollständig einreichen, kann er bearbeitet werden. Und wenn er auf Sie überschrieben ist, können wir die Nummer portieren.“

Ich schluckte vorsichtshalber herunter, dass ich die Antragskopie schon einmal per Mail übersandt hatte (was die „Service“-Dame leicht in dem inzwischen recht umfangreichen „Vorgang“ in ihrem Computer hätte entdecken können) und bat meine Tochter, den Antrag ein weiteres Mal an die Telekom zu faxen. Denn Verzweiflung oder Wut ob der unsagbar unverschämten, geschäftsschädigenden Behandlung, das habe ich mittlerweile gelernt, führen bei Telekom-Mitarbeitern allenfalls dazu, dass sie abrupt auflegen. (Soviel zur angeblich verbesserten Kundenfreundlichkeit des Bonner Konzerns.)

Zwei Tage später ist natürlich immer noch nichts passiert. Das Fax ist noch nicht „eingelesen“, das könne höchstens „noch ein paar Tage dauern“. Bis dahin – selbstredend – dürfe man mir keine…

Manchmal zerfließen in meinem Ohren schon die inzwischen vertraute Roboter-Stimme, die mich immerzu bei der Telekom-Hotline begrüßt und harsch nach meinem Begehr befragt („Wenn Sie Fragen zu Ihrem bestehenden Vertrag haben, wählen Sie die 2“), mit den Stimmen der angeblich menschlichen Callcenter-Mitarbeiter, die meinen Anruf irgendwann gnädigst entgegennehmen. Denn so wie die Computer-Stimme mir immer mal wieder erklärt „Ich habe Sie nicht verstanden“, reagieren auch die menschlichen Telekom-Roboter: „Was kann ich für Sie tun?“ „Bitte, bitte helfen Sie mir, endlich meine Handy-Nummer wieder zu bekommen!“ „Haben Sie das Kennwort?“ …

Nein, habe ich nicht! Und nein: Das alles kann und will ich nicht verstehen. Ich möchte nur einfach wieder telefonieren können! Und zwar nicht mehr nur mit der Telekom. Nie mehr!!

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Ein Gedanke zu „Kein Anschluss unter meiner Nummer

  1. wer beruflich – mandantenbetreuung – viel mit der telekom zu tun hat, weiss, dass deren service bestenfalls ausreichend ist, weiss aber gleichzeitig auch, dass alle anderen anbieter bestenfalls ein mangelhaft oder fast ausnahmslos ein „ungenuegend“ fuer ihren service verdienen. alles ist also relativ.

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