Basta, Signore Monti! E Signora Merkel!


Krisenstimmung in Italien, zwischen unbändigem Zorn auf die eigene Regierung und das übrige Europa auf der einen und Defätismus auf der anderen Seite. Alle sind sich hier einig, dass ihr Land nach Spanien als nächstes zum Krisenfall wird und Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm beantragen muss.

Die Stimmung ist allerdings unterschiedlich: Im relativ wohlhabende Südtirol richtet sich der Grimm vor allem gegen den Süden des Landes. Sizilien, mit 5 Mrd. € verschuldet, ist praktisch pleite. Südtirol dagegen ist schuldenfrei. Trotzdem wurde die halbautonome Region vor kurzem von den Ratingagenturen wie das ganze Land herabgestuftt, was vor allem an der Ehre kratzt. Tatsächliche Auswirkungen hat es allenfalls indirekt, da die Regionalregierung in Bozen ja keine Kredite aufnehmen oder umschulden muss. Stattdessen schimpfen Pensionswirte, Ladeninhaber und andere Bewohner auf die „Italiener“, als die sie sich nicht fühlen, vor allem die im Süden. Weil die jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt und sich der Mafia ergeben hätten, statt die Wirtschaft voranzubringen, müssten sie im Norden jetzt für sie bluten.

Denn die Regierung von Mario Monti hat nicht nur ein striktes Sparprogramm verhängt, wie von Deutschland und Brüssel verlangt, das die Stimmung drückt und dafür sorgt, dass kaum noch Italiener in die Feriengebiete im Norden des Landes reisen, weil sie um ihre Jobs und ihr Einkommen fürchten. Sondern Monti möchte, so klagen sie, nun auch an die mühsam in Jahrzehnten erkämpften Autonomierechte ran. Bislang darf Südtirol einen Teil der Steuereinnahmen behalten und leistet sich dafür ein relativ gutes Bildungs- und Gesundheitssystem. Nun aber sollen kleinere Krankenhäuser in Kleinstädten und Schulen in den Dörfern geschlossen werden zugunsten der Zentralregierung – und des Südens, wie die Südtiroler wortreich beklagen.

In der Toskana, der es auch noch vergleichsweise gut geht, wenn auch hier manche, vor allem italienische Touristen ausbleiben, hat man wenig Verständnis für solche Sorgen. Zwar sind die Sorgenregionen im Süden der Halbinsel auch den stolzen Toskanern fern. Doch die Südtiroler müssten endlich begreifen, dass sie seit 1918 zu Italien gehörten. Und damit Solidarität mit den anderen Landesteilen üben müssten. Schließlich müssten in der Krise alle zusammenstehen.

In Sizilien und den anderen zurückgebliebenen Regionen im Süden fordert man ebenfalls Geld aus dem Norden des Landes und Europas. Schließlich hätten die sie lange ausgebeutet…

Einig sind sich wiederum die meisten, mit denen ich spreche, dass Monti und seine Regierung die Reichen schonten und die Lage des Landes mit Steuererhöhungen und den Kürzungen im Sozialbereich nur verschlimmerten. Ein Wirt rechnete mir vor, dass er inzwischen 55 Prozent aller Einnahmen an Steuern abführen müsse. Wenn dann auch noch die Gäste wegblieben, weil sie sich vor weiteren Einschnitten fürchteten, „dann kann ich gleich zusperren“.

Vor einem fürchten sich die Itamiener allerdings noch mehr: der Rückkehr des „Polit-Clowns“ Silvio Berlusconi. Dann doch lieber Monti, auch wenn der früher für Goldman Sachs gearbeitet habe, also eine der größten Investmentbaken, „die uns das alles eingebrockt haben“. Oder der von Berlusconi abgefallene Fini, der sich vom Chef der Postfaschisten zu einem der wenigen ernstzunehmenden Politiker in Rom gemendelt habe.

Von der zersplitterten linken Opposition erwartet dagegen kaum jemand etwas. Von Deutschland ebenso wenig. „Ihr könnt ja auch nicht ganz Europa retten“, meinen viele. Nur die falsche Sparpolitik müsse Angela Merkel endlich beenden!

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