Verfassungsfeind Goppel. Oder nur Depp?


Auf die CSU ist immer Verlass. Kaum hat Titanic Benedikt XVI. mit gelbem Fleck im Schritt auf der besudelten Soutane und der Zeile „Undichte Stelle (im Vatikan) gefunden“ auf die Titelseite ihrer neuen Ausgabe gedruckt, um im Sommerloch für Schlagzeilen und Auflage zu sorgen, und dafür eine vom Papst erwirkte, willkommene Unterlassungsverfügung kassiert, schwingt sich Thomas Goppel, Ex-Generalsekretär der Christsozialen, zum Marketinghelfer auf. „So geht man mit Menschen nicht um, mit dem Papst schon gar nicht“, empört sich der wackere CSU-Mann, um den es ziemlich still geworden ist, seit er nicht mehr Minister in Bayern sein darf. Und fordert frohgemut, Titanic-Chefredakteur Leo Fischer „die Lizenz zum Schreiben“ zu entziehen.

Abgesehen davon, dass Fischer und seine Leute sich über solch kostenlose Werbung freuen werden, zwei Fragen, Herr Goppel: 1. Wir dachten bisher, der Papst sei der Stellvertreter Gottes auf Erden, somit nicht nur unfehlbar, sondern irgendwie mehr als Mensch. Sehen Sie das als Sprecher der Christsozialen Katholiken (CSK) anders? Dann passen Sie bloß auf, dass Sie die Glaubenkongreation (vormals: Inquisition) nicht erwischt. Der stand Benedikt selber vor, als er noch Josef Kardinal Ratzinger hieß, und die versteht echt keinen Spaß!

2. Wer erteilt die Lizenz zum Schreiben? In Bayern, schon klar, die Staatsregierung. Aber sonst? Die Titanic-Redaktion sitzt in Frankfurt. Schon mit dem dortigen Ministerpräsidenten, Parteifreund Volker Bouffier, telefoniert? Als früherer Innenminister und Scharfmacher wüsste der sicher, wie man solchen Schmierfinken das Handwerk legt.

Sie selber geben sich ein wenig harmlos. Auf Nachfrage erklärten Sie, man müsse „über ein journalistisches Ausschlussverfahren“ für den Titanic-Chef nachdenken und dafür notfalls Gesetze ändern. Was gibt es da noch nachzudenken? In guten alten, christlichen Zeiten wurden solche Schmuddelblätter kurzerhand auf den Index gesetzt und die Verantwortlichen bei Zuwiderhandeln verb(r)annt. Da hat sich keiner um Gesetze geschert!

Sie scheren sich ja auch nicht ums Grundgesetz, in dem irgendwas von „Pressefreiheit“ steht. Nein, hier geht es für Sie, Thomas Goppel, um Grundsätzliches, nämlich auch um die eigene Politkerkaste: „Die Fälle, in denen Vertreter des Politikerstandes oder aus der Wirtschaft aus dem Tagesgeschäft ‚gekegelt‘ werden, von Vertretern der Journalistik dabei gnadenlos, ist nicht die Ausnahme, sondern erkennbar Serie. Gleiches sollte für die Kritikerriege gelten.“

Genau. Das musste endlich mal gesagt werden! Wo kommen wir da auch hin: erst Politiker- und Kapitalisten-, dann Papst-Beleidigung. Das darf nicht so weitergehen! Als bayerischer Wissenschaftsminister waren Sie schließlich auch mal für Kunst zuständig. Mit Kunst hat Satire aber rein gar nix zu tun. Niemals!!

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