Herdprämie, Gebärprämie


Wes Geistes Kind und wie ahnungsfrei manche Politiker in der Union, insbesondere Männer sind, offenbart wieder einmal die jüngste Äußerung von CDU/CSU-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder. Das Elterngeld müsse überprüft werden, da die Deutschen trotz dieses staatlichen Lohnersatzes für das erste Jahr nach der Geburt nicht mehr Kinder bekämen; im vergangenen Jahr waren es sogar zum ersten Mal seit Einführung des Elterngeldes etwas weniger.

Aus Sicht des Christ-Konservativen, national denkenden Kauder („In Europa spricht man wieder Deutsch“) ist eine solche Forderung nur folgerichtig: Ehe und Paarung sind zum Kinderkriegen da, das sagt ja auch der Papst. Die „Gebärprämie“ (die er natürlich nie so nennen würde) soll gebärfähige Frauen und ihre Männer dazu ermuntern, um die demografische Lücke zu schließen.

Es gab in Deutschland vor 70 Jahren schon mal einen Politiker, der so dachte und handelte. Der gab gebärwilligen Frauen allerdings kein Geld, damals reichte das Mutterkreuz: Deutsche Frauen schenkten dem Führer gerne Kinder, damit er die dann im Zweiten Weltkrieg verheizen konnte.

Eine staatliche Leistung auszuloben, ohne dass sie die Geburtenrate nach oben treibt – „das hätte es beim Führer nicht gegeben“. Diesen alten Spruch, den man nach dem Krieg noch oft hören konnte, mag jetzt auch Kauder durch den Kopf geschossen sein. Schleßlich braucht die Bundesregierung das Geld dringend, um die Banken und den Euro zu retten (was fast aufs Gleiche hinausläuft) oder zum Beispiel Waffenexporte zu fördern, wie es Kauder beim Hersteller Heckler&Koch in seinem Wahlkeis tut. Und seine eigene Frau hat die Kinder sicher ganz ohne Elterngeld bekommen und ist zu Hause geblieben, damit der Gatte solche schreckliche Politik betreiben kann.

Dass sich Herr Kauder massiv für das sog. Betreuungsgeld einsetzt, das nach dem Willen der Schwesterpartei CSU das Daheimbleiben der Mütter bei ihren kleinen Kindern fördern soll, ist deshalb auch nur konsequent.

Man(n) sollte halt Politik nicht immer nur aus dem eigenen, arg begrenzten Weltbild und aus eigenem Erleben betreiben, sondern sich als verantwortlicher Politiker wenigstens gelegentlich auch mal die Realität im Land anschauen. Dass es junge Menschen wegen fehlender Betreuungseinrichtungen, prekärer Arbeitsverhältnisse, eines generell kinderfeindlichen Klimas und angesichts düsterer Zukunftsaussichten kaum wagen, heute noch Kinder in die Welt zu setzen, ist ja eigentlch nur zu verständlich. Die Finanz- und Euro-Krise, die Kauders Regierung nicht in den Griff bekommt, mag ihr übriges dazu tun.

Das endlich zu ändern und Verhältnisse zu schaffen, in denen Menschen ihren Kinderwunsch gerne verwirklichen würden – dafür sollten sich Kauder & Co einsetzen. Dann würden sicherlich auch weider mehr (deutsche) Kinder auf die Welt kommen, wie in Frankreich oder den skandinavischen Ländern, wo die Geburtenrat wesentlich höher ist als in Deutschland.

Denn Geld allein, da hat Kauder ausnahmsweise Recht, reicht als Anreiz eben nicht aus. Nur dass er daraus den völlig falschen Schluss zieht. Und er ist damit in der CDU und der CSU sicher nicht allein. Frau „Super-Mutti“ von der Leyen: Übernehmen Sie!

PS: Zu Familienministerin Kristina Schröder schreibe ich in diesem Zusammenhang lieber nichts. Das lohnt nicht. Denn die ist noch viel ahnungsloser als Herr Kauder, obwohl sie als Ministerin selber ein Kind bekam.

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